Institutsprofil
Die Förderung von Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Abwassertechnik stellt die Hauptaufgabe des PIA e.V. dar. Mit der Wahrnehmung dieser Aufgabe ergänzt der Verein die Forschung des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft der RWTH Aachen. Zweck des Vereins sind sämtliche Maßnahmen, die der Prüfung und Entwicklung anwendungsbezogener Verfahren und Einrichtungen in den Bereichen der Abwasserentsorgung und des Umweltschutzes dienen. Hierzu gehören insbesondere die erforderlichen Untersuchungen neuer und die Überprüfung bereits etablierter Einrichtungen, Technologien und Konzepte.
Gründung und Aufbau
Die Idee zur Gründung des Prüf und Entwicklungsinstitutes für Abwassertechnik ist Dr. Hans-Peter Buysch vom Landesumweltamt NRW zu verdanken. Dr. Buysch strebte bereits 1998 den Aufbau eines Instituts in Nordrhein-Westfalen an, um Kleinkläranlagen entsprechend der europäischen Norm EN 12566 prüfen zu können. Ausschlaggebend für die Wahl des Standorts war der Umstand, dass die Stadt Aachen die Kläranlage „Bildchen“ aufgeben wollte. Der damalige Leiter des Amtes für Tiefbau der Stadt Aachen, Karl-Wilhelm Hördemann, unterstützte die Idee von Anfang an.
Am 10. Februar 1999 wurde der Trägerverein Prüfinstitut für Abwassertechnik an der RWTH Aachen e.V. gegründet, nach einer Namensänderung zum Prüf und Entwicklungsinstitut für Abwassertechnik an der RWTH Aachen e.V. konnte die Eintragung beim Amtsgericht Aachen erfolgen. Zu den zehn Gründungmitgliedern zählten u.a. Vertreter der Hochschule, der Wasserverbände und der Stadt Aachen. Das Umweltministerium des Landes NRW hatte bereits im Vorfeld eine finanzielle Unterstützung zum Aufbau des Prüfinstitutes zugesagt. Im September 1999 wurde die Förderung bewilligt. Mit den Mitteln, die das Umweltministerium dem PIA zum Aus und Umbau der Kläranlage zur Verfügung stellte, wurden die vorhandenen Becken für die Prüfung von Kleinkläranlagen umgebaut. Gleichzeitig wurde eine Prüfhalle mit Büroräumen errichtet. Der Baubeginn wurde feierlich eingeläutet: die Nordrhein Westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn nahm persönlich den ersten Spatenstich vor. Die erste Kleinkläranlage, die im Jahr 2000 eine Prüfung der Reinigungsleistung nach EN 12566 absolvierte, kam aus Öster reich. Deutsche Firmen schlossen sich an. Inzwischen wurden über 500 Prüfungen von Kleinkläranlagen durchgeführt.
Im Jahr 2001 wurde erstmals eine schwedische Schiffskläranlage nach den IMO Richtlinien (MEPC.2(VI)) geprüft. Weitere Anlagen internationaler Hersteller folgten.
In den 25 Jahren, die das PIA besteht, wurde die Prüfinfrastruktur kontinuierlich erweitert, so dass heute über 50 Plätze zur Prüfung von abwassertechnischen Anlagen zur Verfügung stehen. Mit dem Neubau einer weiteren Prüfhalle im Jahr 2016 konnte die Kapazität des PIA für die Prüfung dezentraler Niederschlagswasserbehandlungsanlagen, für Anlagen zur Wasserwiederverwertung und für Abscheideranlagen erheblich erweitert werden.
Forschung, Entwicklung und Ausbildung
In den 25 Jahren seines Bestehens bearbeiteten Mitarbeiter des PIA e.V. rund 80 F+E Vorhaben. Der Schwerpunkt lag und liegt hierbei in den Bereichen der dezentralen Abwasserreinigung und der Schiffsabwasserbehandlung. Neben der Entwicklung von Verfahren und Techniken zur Verbesserung der Abwasserbehandlung ist auch die Entwicklung neuer Prüfungen und Zulassungsverfahren Bestandteil der Arbeiten im Bereich F+E. So wurde beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Zentralkommission für die Rheinschiff fahrt ZKR ein Zulassungsverfahren für die Entsorgung häuslicher Schmutzwässer auf Fahrgastbinnenschiffen erarbeitet. Diese aus einem F+E-Projekt entstandene Prüfvorschrift für Bordkläranlagen gilt nun als Qualitätskriterium und wurde 2010 als EU-Verordnung umgesetzt. Am PIA werden Projekte im Auftrag der EU, von Bundesministerien, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie für Landesministerien durchgeführt. Neben der Forschung und Entwicklung zählen Schulung und Ausbildung zu den Tätigkeitsfeldern des PIA e.V., wobei die praxisnahe Vermittlung theoretischer Inhalte von besonderer Bedeutung ist. Die Organisation und Durchführung verschiedener Fachveranstaltungen, Tagungen und Seminare gehören in diesen Bereich. Als etablierte Veranstaltung des PIA ist das „Symposium on the Treatment of Waste Water and Liquid Waste on Ships (kurz SOWOS)“, das jährlich stattfindet, zu nennen. Seit 2007 findet dieses Symposium in Hamburg statt. Organisiert wird es gemeinsam von der Dienst stelle Schiffssicherheit der BG Verkehr, dem Verein Deutscher Reeder und dem PIA e.V. Mit Deutschlands größtem Seehafen bietet die Hansestadt Hamburg eine angemessene Kulisse. Studenten der RWTH Aachen und der FH Aachen können am PIA ihre Abschlussarbeiten erstellen. Bis zum Jahr 2024 wurden ca. 80 Arbeiten erfolgreich beendet.
Gründung der PIA GmbH
Einer vereinsrechtlichen Notwendigkeit ist die Gründung der PIA GmbH im Jahre 2002 zu verdanken. Die PIA Prüfinstitut für Abwassertechnik GmbH wurde als Tochterunternehmen und als Prüfeinrichtung des PIA e.V. gegründet, um den wirtschaftlichen Teil des Geschäftsbetriebs aus dem Verein auszulagern. Seit 2003 führt die PIA GmbH sämtliche Prüfungen abwassertechnischer Anlagen durch. Mittlerweile stammen mehr als zwei Drittel der geprüften Anlagen von ausländischen Kunden. Neben europäischen Firmen zählen auch z.B. Hersteller aus den USA, Kanada und Japan zu den Kunden der PIA GmbH.
Die PIA GmbH ist als Prüfstelle für Kleinkläranlagen (EN 12566) und Abwasserhebeanlagen (EN 12050) nach der EU-Bauproduktenverordnung anerkannt und wird als Notified Body mit der Kennnummer 1739 in den Listen der europäischen Union geführt. Neben dieser europäischen Anerkennung ist die PIA GmbH für die Prüfung von Kleinkläranlagen nach den amerikanischen Standards NSF/ANSI 40, NSF/ ANSI 245 sowie für die Prüfung von Anlagen zur Wasserwiederverwendung nach NSF/ANSI 350 akkreditiert. Ebenso werden Prüfungen nach dem australisch/neuseeländischen Standard AS/NZS 1546 angeboten. Im Bereich der Prüfung von Schiffsumwelttechnik ist die PIA GmbH als Prüfstelle nach IMO-Konvention MARPOL 73/78 zugelassen. Die von der PIA GmbH durchgeführten Prüfungen von Anlagen zur Abwasseraufbereitung, Bilgenwasserentölung und Ballastwasserbehandlung werden international von europäischen und amerikanischen Klassifikationsgesellschaften und Flaggenstaaten anerkannt. Als zertifiziertes Labor der US Coast Guard führen PIA-Mitarbeitende weltweit Compliancetests von Kreuzfahrtschiffen durch.
Die Kooperationen mit NSF International und mit der US Coast Guard bestehen nunmehr bereits seit 15 Jahren. Sie haben dazu beige tragen, dass das PIA ein weltweit anerkannter Ansprechpartner für Prüfungen, Inspektionen und Zertifizierungen im Abwasserbereich an Land und auf See ist.