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Einleitung von Grau- und Schwarzwasser durch Schiffe in den Polargebieten

Ziel des dreijährigen Projektes ist es, Informationen über das Aufkommen von Schwarz- und Grauwasser an Bord von Schiffen in den Polargebieten zu sammeln, um entlang der arktischen und antarktischen Schifffahrtsrouten die Auswirkungen auf die Meeresumwelt besser bewerten zu können.

Das Vorhaben wird von einem Projektpartnerverbund bearbeitet, der sich aus den folgenden Mitgliedern zusammensetzt:

  • Prüf- und Entwicklungsinstitut für Abwassertechnik an der RWTH Aachen e. V.
  • PIA – Prüfinstitut für Abwassertechnik GmbH
  • Lehrstuhl für internationales Seerecht und Umweltrecht, Völkerrecht und Öffentliches Recht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg
  • Ankron Water Services GmbH
  • INASEA – Institut für nachhaltige Aktivitäten auf See

Die empfindlichen Ökosysteme der Arktis und Antarktis sind besonders schützenswert, dennoch wächst seit Jahren das wirtschaftliche und touristische Interesse an diesen Regionen. Der internationale Verband der Reiseveranstalter mit Zielgebiet Antarktis (IAATO) verzeichnet eine Verdopplung der Besucherzahl in der Antarktis in den letzten zehn Jahren. Die Zunahme des Schiffsverkehrs geht mit steigenden Belastungen und höheren Risiken für Verschmutzungen aus diversen Quellen des Schiffsbetriebes einher. Im Rahmen des Projektes werden Studien zu Abwassereinleitungen in die Meeresumwelt ausgewertet. Dazu werden durch den PIA e. V. Beprobungen an Bord von Schiffen, die die arktischen und antarktischen Gewässer befahren, durchgeführt. Das Augenmerk liegt hierbei auf Schadstoffen und Verunreinigungen die typischerweise im Grauwasser vorkommen. Des Weiteren findet eine umfassende Befragung von Reedereien zum technischen Stand der Schiffsausrüstung zur Behandlung von Schiffsabwässern statt.

International werden die Einleitungen von Abwässern durch Schiffe in die Meeresumwelt von MARPOL Anlage IV und dem Polar Code geregelt. Diese enthalten lediglich Vorgaben für die Einleitung von Schwarzwasser und nicht für Grauwasser. Schwarzwasser bezeichnet Abwässer aus Toiletten und Hospital. Grauwasser umfasst Duschwasser und Abwässer aus Küchen und Wäschereien. Mengenmäßig fällt auf Schiffen deutlich mehr Grauwasser als Schwarzwasser an. Zwar existieren zum Teil nationale Regelungen für den Umgang mit Grauwasser an Bord von Schiffen, wie z. B. in Kanada und Alaska, international verbindliche Regelungen zu Grauwasser und dessen Einleitung in das Meer gibt es allerdings bisher nicht.

Anhand der Projektergebnisse sollen Rückschlüsse auf mögliche Auswirkungen der durch Schiffe verursachten Verschmutzungen auf die Meeresumwelt und die Flora und Fauna der Polargebiete gezogen werden. Diese sollen dazu beitragen, die Wirkungen von Abwassereinleitungen im Genehmigungsprozess nach dem Umweltschutzprotokoll-Ausführungsgesetz (AUG) besser bewerten zu können. Das Projekt soll eine fachliche Grundlage für die Umsetzung der 2019 von der Bundesregierung verabschiedeten „Leitlinien deutscher Arktispolitik“ bieten, in welchen sich Deutschland zu einem konsequenten Klima- und Umweltschutz als wesentliches Element deutscher Arktispolitik bekannt hat. Des Weiteren sollen Handlungsoptionen und rechtliche Regelungsvorschläge erarbeitet werden, wie die Polargebiete umfassender vor den Auswirkungen von Abwassereinleitungen geschützt werden können. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen im Rahmen der International Maritime Organisation (IMO) und der Antarktisvertragsstaatenkonferenzen (ATCM) eingebracht werden.

ANSPRECHPARTNER
Dipl.-Ing. Arndt Kaiser
+49 (0) 241 75082-13
kaiser@pia.rwth-aachen.de

PROJEKTPARTNER

  • Institut für Nachhaltigkeits­steuerung (INSUGO) – Leuphana Universität Lüneburg
  • Ankron Water Services GmbH
  • INASEA - Institut für nachhaltige Aktivitäten auf See

GEFÖRDERT VON
Umwelt Bundesamt

FACHBEREICH
General

LAUFZEIT
01.2022 - 12.2024

Einleitung-grauwasser-schiffe-polargebiet c-AdobeStock 328047950