PIA erarbeitet Leitfaden für den Umgang mit Abwasser von Kreuzfahrtschiffen in der Ostsee
Die Ostsee ist ein sehr empfindliches Seegebiet, welches durch eine seichte Meerenge mit den Weltmeeren verbunden ist. Der daraus resultierende langsame Wasseraustausch verursacht eine Anreicherung mit Nährstoffen. Dies bedroht die Ostsee durch Eutrophierung und wiederkehrende Algenblüten. Kreuzfahrtschiffe mit einer Kapazität von mittlerweile bis zu 5.400 Passagieren sind hinsichtlich ihrer Abwasserfrachten vergleichbar mit Kleinstädten. Zudem unternehmen inzwischen fast 5 Millionen Passagiere jährlich eine Kreuzfahrt im Ostseegebiet.
Auf Anregung der HELCOM (Helsinki Kommission) wurde das Ostseegebiet durch die Internationale Marine Organisation (IMO) zur ersten Sonderzone für Abwasser erklärt. Nach den IMO-Vorschriften müssen alle nach Juni 2019 neu gebauten Passagierschiffe strengere Vorschriften für Abwasseremissionen einhalten, während für die meisten älteren Schiffe bis Juni 2021 bzw. Juni 2023 Übergangsfristen gewährt werden. Die Vorschriften zu den Abwasseremissionen besagen, dass Fahrgastschiffe, die mehr als 12 Passagiere befördern, die Nährstoffe durch die Behandlung an Bord um 70 % für Stickstoff und 80 % für Phosphor reduzieren müssen. Alternativ zur Behandlung des Abwassers besteht für das Ostseegebiet die Möglichkeit, das gespeicherte Rohabwasser in den Häfen zur Abwasserbehandlung an Land abzugeben.
Die Erfahrungen zeigen, dass es keine Ideallösung gibt; fast jeder Hafen benötigt mit seinen eigenen, spezifischen Infrastrukturanforderungen eine maßgeschneiderte Lösung. Häfen organisieren die Annahme von Schiffsabwasser über die Hafenauffanganlagen, sogenannten Port Reception Facilitys (PRF). Diese unterscheiden sich je nach vorhandener Infrastruktur in feste PRF, Tank Trucks und Barges.
Es besteht derzeitig allerdings noch ein Mangel an Erfahrung bei der Abwasserbehandlung in Häfen. Daher wurde im Jahr 2017 das PIA vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) beauftragt, einen Leitfaden zum Umgang mit dem Abwasser von Kreuzfahrtschiffen in den Häfen der Ostsee zu erstellen. Dieser Leitfaden beschreibt Probleme, auf die ein Hafen stoßen kann und stellt Lösungsansätze für die verschiedenen Aspekte des Managements von Schiffsabwässern vor, sei es infrastruktureller oder technologischer Art oder in Bezug auf Planung und Kommunikation. Er gibt Empfehlungen für Hafenbetreiber, Reedereien und kann auch für Verwaltungen und kommunale Abwasserbetriebe, die sich mit dem Problem befassen, nützlich sein. Dabei wird die technische Anleitung hoffentlich allen beteiligten Interessengruppen helfen, die großen und vielfältigen Herausforderungen zu verstehen, denen Häfen und Schiffe bei der Abwasserbewirtschaftung gegenüberstehen.
Durch die Veröffentlichung des Leitfadens Ende 2019 durch die HELCOM „Technical Guidance for the handling of wastewater in Ports of the Baltic Sea Special Area under MARPOL Annex IV“ wurden die Informationen nun auch international zur Verfügung gestellt.


